Ein Rezept f¨¹r Innovation
Von KI-L?sungen bis zu einem Minecraft-Krankenhaus: CIO Dr. Zafar Chaudry l?st Probleme und sorgt daf¨¹r, dass junge Patienten im Seattle Children's in Kontakt bleiben.
Julie Colwell
Principal Strategist
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Von KI-L?sungen bis zu einem Minecraft-Krankenhaus: CIO Dr. Zafar Chaudry l?st Probleme und sorgt daf¨¹r, dass junge Patienten im Seattle Children's in Kontakt bleiben.
Julie Colwell
Principal Strategist
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Dr. Zafar Chaudry, Senior Vice President, Chief Digital and AI Officer bei Seattle Children's, hat eine einfache Regel f¨¹r Innovation: Zuh?ren. Da er sowohl Arzt als auch Technologieexperte ist, dreht sich seine erste Frage an seine Mitarbeitenden nie um Technologie oder gar Gesundheit. Stattdessen fragt er: ?Welches Problem versuchen Sie zu l?sen?¡° Dieser Ansatz gestaltet die Patientenerfahrung neu, bef?higt das Personal im gesamten p?diatrischen Versorgungssystem und zeigt, dass die beste Technologie zutiefst menschlich ist.
Dr. Chaudrys Weg in diese Rolle begann Anfang der 1990er-Jahre: Als Arzt in den USA meldete er sich freiwillig f¨¹r ein Technologieprojekt, um der anstrengenden Nachtschicht zu entkommen. Diese Entscheidung war der Startschuss f¨¹r eine Karriere, die ihn rund um den Globus f¨¹hrte?¨C mit F¨¹hrungspositionen an den Cambridge University Hospitals und als Global Research Director f¨¹r Healthcare bei Gartner. Chaudrys internationale Laufbahn m¨¹ndete schlie?lich in der Leitung der Technologieabteilung bei Seattle Children¡¯s, einem p?diatrischen Gesundheitsverbund mit 47 Standorten in Washington, Alaska, Montana und Idaho.
?Ich habe gelernt, dass die Gesundheitsversorgung ¨¹berall im Grunde gleich organisiert ist. Die gleichen Medikamente, unterschiedliche Markennamen. Aber der entscheidende Unterschied liegt in der Philosophie und Finanzierung.¡°
Studie
?Das europ?ische Modell setzt st?rker auf Pr?ventivmedizin, damit ein Krankenhausaufenthalt erst gar nicht n?tig wird. In den USA behandeln wir das Problem erst, wenn es auftritt. Pr?vention spielt eine deutlich geringere Rolle.¡° Dr. Chaudry stellt au?erdem die sozial finanzierten Systeme Europas mit langen Wartelisten dem kommerziellen, versicherungsbasierten System in den USA gegen¨¹ber, das meist einen schnelleren Zugang erm?glicht. ?Ich habe gelernt, dass die Gesundheitsversorgung ¨¹berall im Grunde gleich organisiert ist.¡° Die gleichen Medikamente, unterschiedliche Markennamen. Aber der entscheidende Unterschied liegt in der Philosophie und Finanzierung.¡°
Dieser Blick auf Pr?vention ist zentral f¨¹r Dr. Chaudrys Weltbild. Als Ursachen f¨¹r den allgemein schlechten Gesundheitszustand in den USA nennt er Fast Food und den weit verbreiteten Genuss hochverarbeiteter Lebensmittel. ?Vorbeugen ist immer besser als heilen¡°, so Chaudry. Der Arzt verweist auch auf den wirtschaftlichen Druck, unter dem viele Familien stehen. ?Dann greifen sie zum 2-f¨¹r-1-Angebot bei Makkaroni mit K?se?¨C dabei ist das im Grunde nur Junk Food in Pulverform. Gesunde Lebensmittel wie Eier sowie Obst und Gem¨¹se sind dagegen astronomisch teuer. Wir ern?hren unsere Kinder mit billiger Pseudo-Nahrung.¡°
Dahinter sieht Chaudry ein systemisches Problem: Soziale Faktoren wie fehlender Zugang zu Lebensmitteln und N?hrstoffen machten Kinder krank, noch bevor sie ¨¹berhaupt eine Arztpraxis betreten. Das lasse sich nicht allein mit Technologie l?sen. Stattdessen brauche es einen kulturellen Wandel, dessen Wirkung er andernorts bereits erlebt hat. ?Wenn Sie in Europa zum Hausarzt gehen, interessiert sie oder er sich f¨¹r Ihre Gr??e, Ihr Gewicht und Ihre Ern?hrung. Es gibt weniger verarbeitete Lebensmittel. Und weil viele Menschen insgesamt weniger Geld haben, kochen sie h?ufiger.¡°
Doch Technologie kann einige Probleme l?sen, insbesondere wenn sie strategisch eingesetzt und vereinfacht wird. Mitten in der Corona-Pandemie ¨¹bernahm Dr. Chaudry eines der komplexesten Vorhaben, die ein Gesundheitssystem stemmen kann: die Konsolidierung der isolierten klinischen sowie Ertragszyklussysteme von Cerner auf die Epic-Plattform. Dies bedeutet eine grundlegende Migration der operativen und finanziellen Kernprozesse des Krankenhauses.
Durch den Lockdown stieg die Komplexit?t des Projekts exponentiell an, da klassische Pr?senzschulungen nicht m?glich waren. Chaudrys Team musste umsteuern und ein virtuelles Trainingsprogramm f¨¹r rund 13.000 Personen entwickeln und umsetzen. Die Anforderungen waren hoch, dennoch erreichte das Team bei den Pr¨¹fungen eine Bestehensquote von 92?% im ersten Anlauf. Der Go-live der neuen L?sung war ein gro?er logistischer Erfolg, der die Infrastruktur des Krankenhauses mitten in einer globalen Gesundheitskrise modernisierte.
?Er wies uns an, eine Gaming-Plattform zu entwickeln, um die Kinder in ihren Zimmern zu besch?ftigen.¡°
Weit reichende Probleme f¨¹r klinische Anwender zu l?sen?¨C das ist die eine Seite. Die andere besteht darin, die j¨¹ngsten Patienten nicht aus dem Blick zu verlieren.
In einem Gespr?ch mit einem 12-j?hrigen Patienten erhielt Dr. Chaudry ein sehr direktes Feedback: Das Krankenhaus sei langweilig, und Kabelfernsehen biete zu wenig Interaktivit?t. Der Junge hatte einen besseren Vorschlag. ?Er sagte, wir sollten eine Plattform bauen, damit er und die anderen Kinder in ihren Zimmern spielen k?nnen?¨C dann w?ren sie besch?ftigt.¡°
Sein Team nahm das Feedback auf. Gemeinsam mit Microsoft entwickelten sie einen digitalen Zwilling des Seattle Children¡¯s Hospital in Minecraft?¨C weltweit erstmalig in einem Krankenhaus. Die Plattform dient als Vorbereitung vor der Aufnahme und erm?glicht es neuen Patienten, die Krankenhausflure virtuell zu erkunden, ihr Zimmer zu suchen und das Spielzimmer ausfindig zu machen?¨C noch bevor sie ¨¹berhaupt ankommen.
F¨¹r bereits aufgenommene Kinder ist das eine willkommene Ablenkung?¨C und zugleich eine wichtige soziale Verbindung. Selbst wenn sie ans Bett gebunden sind, k?nnen sie sich treffen und gemeinsam Minecraft spielen. Dr. Chaudry erz?hlt von einem jungen Patienten, der sich von drei gro?en Wirbels?ulenoperationen erholte und angab, das Eintauchen ins Spiel habe ihm geholfen, die heftigen postoperativen Schmerzen auszuhalten. ?Spieltherapie ist ?u?erst wirkungsvoll.¡°
Dieser probleml?sungsorientierte Ansatz findet auch beim App-Portfolio Anwendung. Dr. Chaudrys Team betreut 1.168 unterschiedliche Systeme. Er fordert seine Organisation immer wieder zur Vereinfachung auf. ?Wenn Sie jemanden nach seiner Motivation zur Verwendung des Systems fragen, gibt es h?ufig keine Erkl?rung. Aber wenn Sie fragen, ob es abgeschaltet werden kann, lautet die Antwort immer: nein.¡°
Dr. Chaudrys Ziel ist es, mehr Probleme mit weniger L?sungen bew?ltigen, zum Beispiel mit dem Pathway Assistant, einem KI-Agenten. Jahrelang waren die international anerkannten klinischen Behandlungspfade des Krankenhauses in 4.000 Seiten statischer PDF-Dokumente verborgen. Dank KI sind sie nun zug?nglich.
?Sie k?nnen den Pathway Assistant nach den Symptomen eines Patienten fragen. Er durchsucht dann alle Daten und bietet Ihnen Optionen?¨C basierend auf dem Fachwissen des erfahrensten Krankenhauspersonals unserer Organisation.¡°
Der Agent funktioniert als eine Art ?Telefonjoker¡° und greift ausschlie?lich auf die gepr¨¹fte Wissensdatenbank des Krankenhauses zu. F¨¹nfzig ?rzte haben Hunderte Stunden investiert, um das Tool zu entwickeln und zu validieren.
?Sie k?nnen den Pathway Assistant nach den Symptomen eines Patienten fragen. Er durchsucht dann alle Daten und bietet Ihnen Optionen?¨C basierend auf dem Fachwissen des erfahrensten Krankenhauspersonals unserer Organisation.¡°
Diese Datenanalyse half Dr. Chaudrys Team au?erdem dabei, eine zu starke Abh?ngigkeit von Opioiden bei der Behandlung postoperativer Schmerzen zu erkennen. Statt Vorgaben zu machen, entwickelte es eine Datenanalyseplattform, mit der das Krankenhauspersonal seine eigenen Verschreibungsmuster anzeigen konnten.
Heute f¨¹hrt Seattle Children¡¯s ambulante Operationen nahezu ohne Opioide durch?¨C und bei station?ren Eingriffen sind 50?% opioidfrei. ?Nat¨¹rlich m¨¹ssen wir Schmerzen behandeln, aber wir haben andere Strategien und Optionen gefunden, die f¨¹r die jungen Menschen, die wir versorgen, ges¨¹nder sind.¡°
?F¨¹hrungsst?rke beginnt damit, anzuerkennen, dass man nicht alles wei?. Ich versuche, mich mit den besten Leuten zu umgeben und sie zu bef?higen, ihr Bestes zu geben.¡°
Dr. Chaudrys Philosophie sieht so aus, dass er Experten einstellt?und ihnen die Freiheit gibt, ihre Aufgaben eigenst?ndig umzusetzen. ?F¨¹hrungsst?rke beginnt damit, anzuerkennen, dass man nicht alles wei?¡°, betont er. ?Ich versuche, mich mit den besten Leuten zu umgeben und sie zu bef?higen, ihr Bestes zu geben. Wenn ich den besten KI-Experten einstelle und dann alles ignoriere, was er tut, bin ich nicht weniger als ein Tyrann. Und wahrscheinlich werde ich dieses Talent verlieren.¡°
Der Arzt m?chte neugierig und bescheiden bleiben. Wenn er nicht im Krankenhaus t?tig ist, schraubt Dr. Chaudry gerne an Autos herum?¨C ein Hobby, das er von seinem Vater ¨¹bernommen hat. Er hat sich f¨¹r die Reparatur deutscher Autos zertifiziert und verbringt ganze Wochenenden damit, sie wiederherzustellen und zu fahren. Dieses Hobby verschafft Chaudry die Zufriedenheit, eine ganz andere Art von Problem zu l?sen?¨C bevor er sich am Montagmorgen wieder den komplexen Herausforderungen des Gesundheitswesens widmet.
Studie